«Die Welt schuldet keinem von uns einen Lebensunterhalt, aber wir alle schulden einander den Lebensunterhalt.»

Henry Ford

«Die Welt schuldet keinem von uns einen Lebensunterhalt, aber wir alle schulden einander den Lebensunterhalt.»

 
 

«Die Zukunft sollte man nicht vorhersehen wollen, sondern möglich machen.»

Antoine de Saint-Exupéry

«Die Zukunft sollte man nicht vorhersehen wollen, sondern möglich machen.»

 
 
 

«Der Offene findet für jedes Problem eine Lösung. Der Verschlossene findet für jede Lösung ein Problem.» Albert Einstein

 
 
 

«Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können, sonst gerät man unter ihre Knechtschaft.» Rudolf Steiner

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Gespräch mit Dr. Benediktus Hardorp über die Broschüre der Stiftung Marktwirtschaft zum bedingungslosen Grundeinkommen

Redaktion Andrei Birtolonu



Im September hat die Stiftung Marktwirtschaft eine Broschüre mit dem Titel «Das bedingungslose Grundeinkommen - ein unhaltbares Versprechen» herausgegeben. Wie erklären Sie es sich, dass die Verfasser der Broschüre das bedingungslose Grundeinkommen für ein «unhaltbares Versprechen» halten?

Dr. Benediktus Hardorp: Die Verfasser lehnen das bedingungslose Grundeinkommen ab, weil sie mit den gegebenen sozialen Verhältnissen im Wesentlichen einverstanden – und von deren Problemen sicher nicht persönlich betroffen sind. Das ist eine konservativ-politische Intention. So würde ich die Haltung, die dieser Broschüre zugrunde liegt, einordnen.

Sie sind ein Befürworter dieses «Versprechens» …

Hardorp: Zunächst: das bedingungslose Grundeinkommen ist kein «Versprechen», sondern ein Altes beiseite schiebender neuer Denkansatz angesichts der sozialen Lage vieler von Arbeitslosigkeit oder Armut betroffener Menschen in unserer Gesellschaft wie überhaupt in der zunehmend globalisierten Welt. Niemand hat es versprochen, weil das auch niemand kann. Seine Umsetzung bedarf eines breiten Konsenses in der Bevölkerung. Aber das Nachdenken darüber ist in unerwarteter Weise in Gang gekommen. 

Trotzdem lehnen einige, wie die Verfasser dieser Broschüre, die Grundeinkommensidee ab. 

Hardorp: Die Tatsache des Widerstands dagegen zeigt aber gerade, dass an der Sache etwas dran ist! Warum sollte ihr auch sonst mit solchem Aufwand – die Broschüre ist ja ein deutliches Beispiel dafür – widersprochen werden?

Wieso kommen die Verfasser zu dem Schluss, dass das bedingungslose Grundeinkommen «unhaltbar» sei? 

Hardorp: Mit dem Attribut «unhaltbar» meinen die Verfasser offensichtlich ihre Überlegungen zur – ihnen nicht richtig oder möglich erscheinenden – Finanzierung: Diese sind jedoch keineswegs so zwingend, wie sie manchem erscheinen mögen, weil sie vom status quo ausgehen und mögliche Entwicklungen sich verändernder Verhältnisse nicht grundlegend ins Auge fassen. Warum sollen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen realwirtschaftlich nicht leisten können? Wir versorgen doch jetzt schon – nicht immer zureichend – alle Menschen unsers Landes. Oswald von Nell-Breuning hat lapidar einmal gesagt «Alles, was leistbar ist, ist auch finanzierbar.» Dieser Satz lässt sich wohl kaum bestreiten – auch wenn Anderes gewollt wird. Die Äußerungen der Verfasser zur Finanzierungsfrage sind hinterfragbare Willensäußerungen politischer Art.

Die Frage, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen finanziert werden soll, ist für Sie also nachrangig? 

Hardorp: Natürlich. Unsere Leistungsfähigkeit ist entscheidend – und die ist da. Die Finanzierung folgt dem Willen zur Leistung. Unser Einkommen ist letztlich immer Realeinkommen – und besteht in dem, was Andere für uns tun. Geld ist lediglich ein sinnvoller Zwischenwert als Zuteilungsmittel für diese realen Leistungen Anderer. Geld kann man «zaubern», Brot muss gebacken werden! 

Das müssen Sie genauer erklären. 

Hardorp: Mit Geld wird die Zuteilung von Einkommen oder der Anteil des Einzelnen an der gesellschaftlichen Wertschöpfung ermöglicht und gemessen. Wer kaufen will, muss zahlen können. Die Geldmittel dazu kann er auf sehr unterschiedlicher Weise – auch als bedingungsloses Grundeinkommen – erhalten. Wir leben aber von unserem Realeinkommen. Jede real zustande gekommene Wertschöpfung trägt dazu bei, unsere Versorgung sicherzustellen. Die Wertschöpfung wird gesamtwirtschaftlich am Absatz gemessen. Was nicht am Ende der unternehmerischen Wertschöpfungskette von einem Verbraucher «honoriert» wird, war im wirtschaftlichen Sinne keine Wertschöpfung. Auf eine Beteiligung an ihr, auf einen Beitrag zu ihr und einen Anteil an ihr läuft daher alles wirtschaftliche Geschehen hinaus. 

Der Beitrag jedes Einzelnen zur gesellschaftlichen Wertschöpfung wird durch ein Geldeinkommen „honoriert“. Warum sollen wir diese gewohnte Form – wie bei der Grundeinkommensdiskussion – in Frage stellen? 

Hardorp: Beiträge zur gesellschaftlichen Wertschöpfung werden in vielfältigen Formen – auch in der Familie und im Ehrenamt – geleistet. Die Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft wird durch sie erst ermöglicht. Die Erwerbsarbeitsvergütung kann daher nicht alleiniger Teilungsgrundsatz der gesellschaftlichen Wertschöpfung – unser An-Teil daran ist unser Einkommen! – und einzig anerkannter Maßstab für unser persönliches Einkommen sein. – Erst eine Grundversorgung macht gesellschaftliche wie kulturelle Teilhabe möglich und ist Basis des sozialen Friedens.

Zurück zur Finanzierungsfrage: Wieso stehen Sie ihr anders gegenüber als die Verfasser der Broschüre?

Hardorp: Sehr einfach. Weil ich anders darüber zu denken gelernt habe. Seit den Tagen des Freiherrn von Stein wissen wir: «Zutrauen veredelt den Menschen». Wer anderen etwas zutraut – beispielsweise mit einem bedingungslosen Grundeinkommen –, nimmt sie mit «ins Boot» und gibt ihnen Entwicklungschancen; er fördert sie. Daraus entsteht letztlich bei den Geförderten Interesse am Gelingen des Ganzen, an Wertschöpfungsbereitschaft und gesellschaftlichem Wohlstand. Mehrzuteilungskosten eines bedingungslosen Grundeinkommens stehen dann zu erwartenden Wertschöpfungs- und Wohlstandsgewinnen gegenüber. Der Saldo kann nicht vorausberechnet – aber vorausgedacht – werden; man darf ihn jedenfalls nicht von vornherein negativ einschätzen – er wird voraussichtlich sogar positiv, das heißt erfreulicher als von manchem vermutet, sein. 

Sie sind also kein Befürworter der heutigen bedingten Grundsicherung? 

Hardorp: Sie ist eine Behelfslösung für ein durch sie anerkanntes Problem! Die heutige Form der Bedürftigkeitsprüfung ist im Wesentlichen Ausfluss des Herrschaftsanspruches bestimmter Leistungsträger. Sie ist von Misstrauen in die zu Versorgenden getragen – und wird, weil dieses Misstrauen nicht zuletzt die Probleme erst hervorruft, die man zunächst erwartet, dann beklagt, immer misstrauischer. 

Wie beurteilen Sie die Chancen für ein bedingungsloses Grundeinkommen? 

Hardorp: Die aktuelle Schweizer Volksabstimmungsinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen zeigt gerade jetzt, dass sich überraschend viele Menschen auf diesen Ansatz einlassen und ihn zu verfolgen lohnend finden. Das wird sich ausbreiten – auch wenn es in der Schweiz vielleicht nicht gleich auf Anhieb glücken wird – aber warten wir ab.


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