„In der Geschichte der Menschheit gibt es kein freiwilliges Zurück, und wir sollten diese ganze Energie darauf richten, zu sagen, wie können wir das so gestalten, dass möglichst viele ein gutes Leben davon haben und nicht der Worst Case eintritt.“ Richard David Precht im Interview mit dem Deutschlandfunk

 
 
 

“It’s not just money that a job provides, it provides dignity and structure and a sense of place and a sense of purpose. So we’re going to have to consider new ways of thinking about these problems, like a universal income, review of our workweek, how we retrain our young people, how we make everybody an entrepreneur at some level.” Barack Obama

 
 
 

"I think we'll end up doing universal basic income." Elon Musk

 
 
 

"Der Mensch ist noch sehr wenig, wenn er warm wohnt und sich satt gegessen hat, aber er muss warm wohnen und satt zu essen haben, wenn sich die bessre Natur in ihm regen soll." Friedrich von Schiller

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Volksinitiative Schweiz

Goldner Oktober in Bern

von Enno Schmidt



Götz W. Werner

von Prof. Dr. Peter Sloterdijk im Rahmen einer Laudatio



Wer ist Götz W. Werner?

von Enno Schmidt



 

Zweck-Mittel


Götz W. Werner: «Das ist eine Kopernikanische Wende, ein Erkenntnisdurchbruch. Wenn ich der Meinung bin – und das ist die gängige Meinung – der Zweck des Unternehmens sei die Hervorbringung einer Leistung, und das Mittel dafür seien die Menschen, die man halt einstellen muss, Maschinen oder Menschen seien die Werkzuge dafür, dann ist der Mensch Werkzeug, dann ist er Mittel. Dann hat er auch zu lernen. Aber nur in dem Sinne, dass er als Werkzeug für den Zweck des Unternehmens, nämlich die Hervorbringung eines ganz bestimmten Ergebnisses, besser geeignet ist. Das ist die gängige Anschauung rund um die Welt. Die Veränderung der Denkbewegung bei mir war, dass mir klar geworden ist: es ist genau umgekehrt! Der Mensch ist der Zweck! Und dass wir eine Dienstleistung hervorbringen, ist das Mittel dafür, um diesen Zweck zu erfüllen. Dann haben sie nicht nur die Begriffe umgedreht, sondern dann sind sie auf einem anderen Planeten. Da ist die Welt nicht mehr eine Scheibe, sondern da ist sie plötzlich rund. Und es entstehen andere Möglichkeiten. Und dann muss man sich sagen: wenn das so ist, ist immer der Zweck, dass Menschen dadurch, dass sie bei uns im Unternehmen tätig sind, Biografie schreiben können. Dass Menschen dadurch, dass sie bei uns einkaufen, ihre Bedürfnisse besser befriedigen. Dass Menschen dadurch, dass sie uns beliefern, ihre Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Man muss sich nur vom einen Bein aufs andere stellen, plötzlich sieht die Welt anders aus. Was ist Zweck und was ist Mittel, wenn man sich da irrt, falsch tippt, kommt man zwangsläufig zu anderen Verhaltensweisen. Wenn man da richtig trifft, hat das zwangsläufig zur Folge, dass gewisse Dinge dann nicht mehr gehen. Ein hierarchisches Prinzip kann ich konsequenterweise aufbauen – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – wenn ich der Meinung bin, der Mensch sei das Mittel. Dann kommt eine Armeestruktur dabei raus. Wenn ich sage, der Mensch ist der Zweck, kann ich nicht mehr auf eine hierarchische Struktur kommen.»

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Wer ist Götz Werner, wie und warum?



 

«Sie sind doch...»

 
«Herr Werner, Sie sind doch Anthroposoph? » fragten ihn Filialleiterinnen auf einem Seminar. «Was ist denn das?» «Stellen Sie sich vor», antwortete Götz Werner, «Sie sind Architekt. Und als Architekt haben Sie das Ziel, kühne und materialsparende Gebäude zu bauen. Dann ist es vernünftig, wenn Sie sich als Architekt in den Gesetzmäßigkeiten der Statik kundig machen. Und so müssen Sie das Verhältnis zwischen Unternehmensführung und Anthroposophie sehen. Wenn ich mich als Unternehmensverantwortlicher mit Anthroposophie beschäftige, dann ist das so, als wenn ein Architekt sich mit Statik beschäftigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dann als Unternehmer eher Nachhaltiges, Tragfähiges auch im Sinne von: ’notwendig, schön und zweckend dem Ganzen’ hervorbringe, ist größer, als wenn ich davon null Ahnung habe und es mich eigentlich auch nicht interessiert.»

Dem Philosophen Stephan Brotbeck erklärte er auf die gleiche Frage, was das denn hieße, dass er Anthroposoph sei: «Das heißt nichts anderes, als dass meine Erfahrung ist, dass man durch Anthroposophie besser kennen lernt, was für das Menschsein wichtig ist. Mehr nicht. Aber wenn man das weiß, dann hat man in einer Gesellschaft, in der es darauf ankommt, dass die Menschen füreinander miteinander tätig sind, einfach die bessere Ausgangssituation. Dann ist man dafür mehr fit. Wenn ich mich mit Geisteswissenschaft beschäftige und mit Menschheitsentwicklung, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich die Bedürfnisse der anderen Menschen antizipieren kann, größer, als wenn ich das nicht tue.»

«Menschenliebe, Weltinteresse», das brachte Prof. Werner seinen Studenten in Karlsruhe bei, «sind Voraussetzungen für das Unternehmersein.»

Und in einem anderen Gespräch: «Wenn man Anthroposophie richtig versteht, dann ist es, dass man dadurch Fragen bekommt. Wenn man meint, man bekäme dadurch Antworten, dann sucht man eigentlich eine Religion. Das ist ein Problem.»

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Wer ist Götz Werner, wie und warum?



 

Schlüsselerlebnisse


Schlüsselerlebnis, ein Beispiel: Götz W. Werner besucht eine Filiale, spricht mit der Filialleiterin, lehnt sich an die Kosmetiktheke, die gibt nach, verrutsch so, dass man mit der Hand leicht an die teuren Kosmetika kommt, die unter einer Glasscheibe geschützt waren. «Das ist schon eine Weile so», sagt die Filialleiterin. «Da kann man ja recht einfach die Sachen hier klauen», sagt Werner. «Ja» erwidert die Filialleiterin, «das ist auch schon vorgekommen.» – «Und was haben Sie dagegen gemacht?» –  «Ich habe das schon vor drei Wochen dem Bezirksleiter gemeldet, aber der ist noch nicht dazu gekommen.» Folge? Die komplette Hierarchieebene der Bezirksleiter wird gestrichen. Die waren für je 6 bis 9 Filialen zuständig. Auch die darüber stehende Ebene der Gebietsleiter wird aufgelöst. Neu bildet sich die Ebene der Gebietsverantwortlichen. Nicht mehr Leiter, sondern Verantwortliche.

Götz W. Werner: «Die Dialogische Führung war eine Folge davon, das war nicht die Ursache. Der Ausgangspunkt war, dass wir gesagt haben, wir müssen gucken, dass der Filialleiter mehr Eigenverantwortung hat. Die Idee war: wir machen die Kontrollspanne – in Anführungszeichen – so groß, nämlich zwanzig, fünfundzwanzig Filialen, dass ein Gebietsverantwortlicher sich gar nicht so sehr um alle kümmern kann. Dem blieb nichts anderes übrig, als den Filialleiter jetzt zu befähigen, dass er einsteigt in die Aufgaben und viele Dinge selbst entscheidet, dass er mehr an Eigengestaltungskraft, Eigenverantwortung, Selbstentscheidung übernimmt, um überhaupt seine Aufgabe bewältigen zu können. Da haben wir damals eine Matrix gemacht: Anweisung, Empfehlung, Beratung. Commitment könnte man auch sagen. Das Neue war, dass die Anweisungen reduziert wurden auf das gesetzlich Notwendigste. Dass man das Geld abends in die Bank einzahlt ist natürlich keine Empfehlung, ne, ist eine Anweisung. Aber die Empfehlung lässt offen, es besser zu machen im Sinne der örtlichen Verhältnisse. Darum ging es, dass die Adaption unserer Drogeriemarkt Idee – sage ich jetzt mal – individueller, maßgeschneiderter auf die örtliche Situation erfolgt.»

Noch ein Schlüsselerlebnis? Eines Abends, kurz vor Ladenschluss, kommt Götz W. Werner in die Filiale in Pirmasens. Eine längere Autofahrt führte ihn durch die Gegend, er wollte mal reinschauen. Nur noch eine Mitarbeiterin ist da, ganz hinten im Laden steht sie. Werner geht auf sie zu: «Guten Abend, ich bin Götz W. Werner.» – «Ach, Sie sind der Herr Werner.» – «Als was sind Sie bei uns tätig?» – «Oh, ich bin nur geringfügig beschäftigt.» – «Geringfügige Beschäftigung? Kann doch gar nicht sein. Schauen Sie mal, ich komme jetzt als Kunde rein, und Sie stehen vor mir. In dem Moment sind Sie der Chef. Sie sind die wichtigste weil einzige Person, die das hier im Moment repräsentiert. An Ihnen entscheidet sich jetzt – wenn ich Kunde wäre – ob ich sage, da gehe ich nie mehr rein, oder ob ich sage, da will ich immer einkaufen und erzähle es noch meiner Nachbarschaft.»

Was heißt das für Herrn Werner? «Dass einem das deutlich wird: in einem arbeitsteiligen Prozess ist jeder Mensch gleichermaßen unersetzbar wichtig. Diese gefühlsmäßige Erkenntnis – das muss man mit dem Herzen denken – wenn einem das so klar ist aus einem herzlichen Gedanken, dann haben Sie kein Problem mehr mit Dialogischer Führung. Dann haben Sie auch kein Problem mehr, sich als Vorgesetzter vor einem jungen Menschen zu dekuvrieren, der gerade im ersten Lehrjahr ist.» Dekuvrieren heißt aufdecken, dass jeder im Unternehmen alles wissen kann. «Jeder, der in einem arbeitsteiligen Zusammenhang tätig ist – und genau das findet ja überall statt – kann dort nur die Wertschätzung finden, die er braucht, um sich selbst für seine Arbeit zu motivieren, wenn die ganze Gemeinschaft der Meinung ist, dass jeder gleichermaßen wichtig ist.»

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Wer ist Götz Werner, wie und warum?



Professor

von Enno Schmidt



Erich Fromm Preis 2015

Am 23. März wurde Prof. Götz W. Werner für die von ihm geprägte Unternehmenskultur und für sein Engagement für das Bedingungslose Grundeinkommen der Erich Fromm Preis 2015 verliehen.  

Die jährlich von der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft vergebene Auszeichnung ehrt mit dem Preis Menschen, „die Hervorragendes für den Erhalt oder die Wiedergewinnung humanistischen Denkens und Handelns im Sinne Erich Fromms geleistet haben bzw. leisten."

Die Laudatio sprach der Gründungspräsident der Zeppelin-Universität, Professor Dr. Stephan A. Jansen.

Im Folgenden finden Sie die Redebeiträge der Veranstaltung:



Autorenbeiträge

Götz W. Werner
Gretchenfrage: Ist der Mensch Mittel oder Zweck?
 

Zum Jahresende stapeln sich die Grußkarten aus den Unternehmen: Man verzichte auf teure Geschenke und spende für einen guten Zweck, heißt es dort unisono, als sei ein teures Geschenk per se kein guter Zweck – und als ginge es den Rest des Jahres nicht auch darum, einem guten Zweck zu dienen. Genau das aber gerät schnell in Vergessenheit. Wozu arbeiten wir? Und welchem Zweck dient unser eifriges Treiben und Handeln? Allzu oft finden sich in den Zielvereinbarungen der Mitarbeiter nichts als schnöde Zahlen. Da ist von Umsatzsteigerung und Gewinn die Rede oder von Profitabilität und Return on Investment.

Unternehmen gelten als erfolgreich, wenn sie schnell wachsen oder hohe Gewinne abwerfen. Aber es ist ein Irrtum, zu glauben, dass ein Unternehmen erfolgreich ist, weil es wächst. Den ersten dm-Markt eröffnete ich 1973 auf 180 Quadratmetern. Kein anderer dm-Markt hat je so viel Umsatz pro Quadratmeter und je so eine Rendite erzielt wie dieser erste Markt. Wer nur aufs Geld schielt, müsste sagen, dass es mit dm seither bergab ging. Zum Glück war ich als Unternehmer nie von der Einschätzung wild spekulierender Investoren abhängig; stattdessen habe ich geduldig versucht, mich mit den Menschen und der Welt vertraut zu machen. Meine eigene Zuversicht und mein Zutrauen gegenüber anderen Menschen ist das, was dabei gedeiht und zählt. Hätten mir in jungen Jahren die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, nicht etwas zugetraut und hätte ich dieses Vertrauen nicht mit großer Gewissenhaftigkeit erwidert, ich wäre sehr schnell schuld am Ende meiner Unternehmung gewesen.

Als Unternehmer bin ich Schuldner und beständig auf der Suche nach Gläubigern – nach Kunden, die mir glauben und in meinem Unternehmen einkaufen; nach Mitarbeitern, die mir glauben, ihre Fähigkeiten und Lebenszeit einbringen und damit das Unternehmen zu ihrem machen; und nach Lieferanten, die uns glauben und unser Unternehmen zuverlässig beliefern. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft glauben und vertrauen wir uns wechselseitig und stehen wechselseitig in der Schuld. Wenn wir morgens Brötchen holen, vertrauen wir darauf, dass der Bäcker schon lange vor uns aufgestanden ist und seine Arbeit bereits erledigt hat. Der Bäcker vertraut darauf, dass er nachts genug Mehl bekommt. Der Müller vertraut auf den Landwirt, dass er zuverlässig den Weizen liefert. Und dem Ofenbauer wird vertraut, dass er nicht nur den Kamin im Bauernhaus in Gang bringt, sondern auch den Ofen in der Backstube. Wir alle müssen uns entscheiden, welche Rolle wir in diesem System einnehmen wollen und welche wir dem anderen zugestehen. In unserer globalisierten Welt leistet jeder etwas mit anderen für andere – ob Politiker für Bürger, Ärzte für ihre Patienten oder Eltern für ihre Kinder. Wenn man zusammenleben will, muss man den anderen verstehen. Dafür muss man wissen, wie er in die Welt schaut. Bevor man Initiative ergreift, muss man sich mit den Verhältnissen und den Beteiligten vertraut machen. Bei jedem Zusammenkommen mit anderen für andere ist es heute wesentlich, die Belange seines Gegenübers wahrzunehmen, einander zu verstehen und wertzuschätzen. Wie hat George Bernard Shaw gesagt: „Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.“

Indem wir uns für andere Menschen interessieren, beginnen wir Dinge zu machen, damit sie für andere Menschen einen Sinn ergeben – und zwar immer wieder aufs Neue. Ein Unternehmen ist erfolgreich, weil es sich verwandelt, weil es mit der Zeit geht, weil es sich entsprechend der Kundenbedürfnisse verändert. Wachstum ist die Folge gelungener Verwandlung. Jeder Mensch ist für die Folgen seiner Handlungen verantwortlich. So stellt sich die Sinnfrage: Warum und wozu mache ich etwas? Diese Frage muss man so beantworten, dass möglichst viele Menschen sich damit identifizieren können. Gläubiger findet man, indem man etwas unternimmt, was für sie sinnvoll ist. In der Wirtschaft geht es also vor allem um Sinnstiftung. Gerade in der Weihnachtszeit hört man die weitverbreitete Ansicht, es sei sinnvoll, wenn man das viele Geld, das man im Laufe seines Lebens gesammelt hat, für einen guten Zweck ausgibt. So mancher spendet am Lebensende einen Teil seines Vermögens für gemeinnützige Zwecke. Viele Unternehmer versuchen durch eine Stiftung gigantischen Ausmaßes ihr Lebenswerk zu krönen. Die Sinnhaftigkeit solch spendabler Gesten jedoch sollte man durchaus mal hinterfragen, zumindest wenn die Art und Weise, wie das Vermögen erwirtschaftet wurde, nicht dem Zwecke der Menschlichkeit, sondern allein der Gewinnmaximierung gedient hat. Sonst könnte nach derselben Logik ein Bankräuber, der einen Teil seiner Beute einem Bettler schenkt, sich munter seiner Wohltätigkeit rühmen.

Im Regelfall denken die Menschen gar nicht darüber nach, wie und wozu sie ihr Geld „verdienen“. Die meisten meinen irrtümlicherweise, sie bekämen das Geld als Gegenleistung für ihre Arbeit und es gäbe ein vernünftiges Verhältnis zwischen ihrer Arbeitsleistung und dem Lohn. Wer genauer hin- sieht, wird schnell feststellen, dass die Sache sich nicht besonderes rational verhält. Warum sonst sollte jemand, der unbezahlt als Vater seine Kinder belehrt, Lohn bekommen, wenn er dasselbe als Lehrer tut? Warum be- kommt eine Pflegerin für ihre Arbeit an fremden Menschen im Krankenhaus Geld, für dieselbe Arbeit zuhause an ihrer Verwandtschaft dagegen nicht? Dass Menschen in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliches Einkommen beziehen, entspringt dabei keineswegs der Rechenkunst irgendeines vermeintlichen Homo oeconomicus’. Es ist eine Bewusstseinsfrage: Wenn ich zulasse, dass derjenige, der mein Auto pflegt, besser bezahlt wird als derjenige, der meine Mutter im Altersheim pflegt, dann ist das – anders als oftmals behauptet – keine Frage von Angebot und Nachfrage. Im Gegenteil: Sehr viel mehr Schulabsolventen wollen Automechaniker oder Mechatroniker lernen als Altenpfleger.

Angebot und Nachfrage sind quasi diametral entgegengesetzt zu Arbeit und Bezahlung. Außerdem bräuchte unsere Gesellschaft Kindergärtner und Altenpfleger sehr viel dringender als Automechaniker. Aber unsere Gesellschaft billigt den Menschen, die diese Arbeit verrichten, weniger Bezahlung zu. Im Grunde reine Willkür, unbedachte Gewohnheit. Es fehlt die bewusste Wertschätzung. Deswegen gestehen die Menschen demjenigen, der ihr Bankkonto führt, ein höheres Einkommen zu als dem, der ihr Kind erzieht – eine reine Bewusstseinsfrage! „Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, heißt ein berühmtes Zitat des Künstlers Francis Picabia. Wie wäre es mal mit diesem Richtungswechsel im Denken: Es ist nicht die Arbeit, die bezahlt wird, sondern der Mensch, damit er leben kann!

Indem wir jemandem Geld geben, ermöglichen wir ihm die Teilhabe an unserer arbeitsteiligen Gesellschaft und nur deswegen kann er für uns tätig werden. Geld ist nicht der Lohn der Arbeit, sondern ihre Voraussetzung. Wir arbeiten eben nicht für uns selbst, sondern um die Bedürfnisse und Wünsche anderer Menschen zu erfüllen. Den Wert der Arbeit kann man auf verschiedene Weise berechnen – Geld ist nur eine und noch nicht mal eine besonders gute Methode, um den Wert darzustellen. Vor allem eine irreführende: Denn denkt man in Kategorien von Verlust und Gewinn, dann meint der eine, es gibt etwas zu verteilen, und der andere meint, er müsste jetzt in Sack und Asche gehen, weil sein Bereich weniger Gewinn oder gar Verlust macht. Aber das ist irreführend! Es kann durchaus gewollt oder sogar notwendig sein, dass man in bestimmte Bereiche investiert und mehr hin- einsteckt, als man herausbekommt. Betrachtet man das Unternehmen als einen sozialen Organismus, sind Gewinn und Verlust zweitrangig. Der Unternehmer will ein gesellschaftliches Problem lösen, will für den Kunden einen Wert schaffen. Er braucht Mitstreiter – Kollegen –, die ihn dabei unterstützen. Sie alle müssen sich daran messen, wie viel Wert sie im Gesamtzusammenhang erstellen, welche Teamleistung sie bringen.

Es ist wie in einer arbeitsteilig funktionierenden Familie. Während der eine für die Entschuldung sorgt, indem er durch Arbeit für Einkommen sorgt, kann der andere für Nahrung sorgen, indem er Lebensmittel einkauft. Beide Arbeiten sind notwendig, sonst könnte die Familie nicht überleben. Die eine Arbeit trägt zur Verschuldung bei, die andere Arbeit zur Entschuldung. Beide Arbeiten sind unverzichtbar. Im angemessenen Rhythmus finden wir Möglichkeiten zur Entwicklung. Und das ist der eigentliche Sinn und Zweck all unseres Tuns. Wenn wir die aktuellen Verhältnisse an den weltweiten Finanzmärkten be- trachten, sollten wir die Chance erkennen, die in jeder Krise steckt. Krisen sind Bewusstseinskrisen. Am Finanzmarkt kann man derzeit gut erkennen, wohin es führt, wenn Menschen etwas inbrünstig wollen, was sie nicht denken können. Wir haben heute ein undurchdringliches Gewirr autonom gewordener Finanzmechanismen geschaffen, die niemand mehr mit Bewusst- sein durchdringen kann. Keiner versteht das Ausmaß dieser Krise, sondern nur Teilaspekte. Das hat schwerwiegende Folgen, denn was wir nicht verstehen, können wir nicht gestalten. Was man nicht denken kann, kann man nicht wollen und was man nicht will, kann man nicht tun. Ein solcher Irrtum: Die meisten Menschen denken, „Gewinn“ sei etwas Tolles. Davon könne man nicht genug haben. Unternehmen machen große Pressekonferenzen, in denen sie verkünden, um wieviel sie ihren Gewinn gesteigert haben. Ich sage: Wenn wir am Ende eines Jahres viel „Gewinn“ gemacht haben, dann haben wir etwas falsch gemacht. Dann haben wir zu wenig investiert, also entweder zu wenig für den Kunden getan oder zu wenig für den Mitarbeiter.

Im Gegensatz zum Überfluss an Gütern erleben wir derzeit einen enormen Mangel im Sozialen – etwa in Erziehung, Bildung oder Pflege. Es geht darum, die „alte Arbeit“ an der Natur von der „neuen Arbeit“ am und für den Menschen bewusst zu unterscheiden. Bei der alten Arbeit geht es um Effizienz und Sparsamkeit. Hier ist die Aufgabe der Wirtschaft, Ressourcen einzusparen. Bei der Arbeit am und für den Menschen geht es nicht um Effizienz, sondern um mitmenschliche Zuwendung. Hier braucht es Großzügigkeit, ja Verschwendung. Diese Kulturarbeit lässt sich nicht messen. Wir müssen so viel wie möglich davon leisten. In einem Unternehmen gibt neueste Produktionstechnik den Mitarbeitern den Freiraum, sich im Kundenkontakt den Menschen zuzuwenden. In unserer Gesellschaft würde das bedingungslose Grundeinkommen solchen Freiraum eröffnen. Es ermöglicht dann jedem Bürger ein menschenwürdiges Leben, damit jeder einzelne die Arbeit ergreifen kann, die für ihn und seine Mitmenschen sinnstiftend ist. Ein Einkommen braucht der Mensch, um leben zu können. Arbeit braucht er, um sich entwickeln zu können. Nur in der Gemeinschaft kann er über sich hinauswachsen. Manche halten solche Gedanken für Firlefanz. Menschen wie Menschen zu behandeln, mag für viele nur der Spleen eines Verrückten sein. Ich bin der festen Überzeugung, dass Wirtschaft keinen anderen Zweck verfolgt: Miteinander füreinander tätig sein. Das ist für viele ein undenkbarer Gedanke.

Dummerweise fragen die Menschen im Alltag häufig nicht mehr nach dem Wozu, sondern nur noch nach dem Wie. Know-how statt Know-why. Während sie nach den neusten Tricks und Kniffen suchen, um mehr Gewinn zu machen, vergessen sie darüber nachzudenken, was sie mit dem Geld, das sie auf diese Weise anhäufen, eigentlich tun wollen. Einen Bonus bekommt, wer das Geld in den Mittelpunkt stellt. Aber arbeitet wirklich jemand nur für Geld? Wer einen Moment innehält, wird zugeben, dass Geld kein Selbstzweck sein kann, sondern nur ein Mittel, um damit etwas anderes zu ermöglichen, nämlich dass – auch wenn es in den Hochglanzbroschüren der Unternehmen zur Phrase verkommen ist – in Wahrheit der Mensch im Mittelpunkt steht. Bei dm wurde bereits 1982 ein Grundsatz formuliert, der bis heute verbindlich ist: „Wir wollen allen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, gemeinsam voneinander zu lernen, einander als Menschen zu begegnen, die Individualität des anderen anzuerkennen, um die Voraussetzungen zu schaffen, sich selbst zu erkennen und entwickeln zu wollen und sich mit den gestellten Aufgaben verbinden zu können.“

Solche Worte sind leichter gesagt als umgesetzt, das dürfte klar sein. In welcher Unternehmensbroschüre stehen nicht vergleichbare Sätze? Der Unterschied ist, dass bei dm diese Formulierungen nicht von einer schicken Werbeagentur, sondern von den Mitarbeitern selbst erarbeitet wurden. Wort für Wort. Und dass wir diesen Text immer als Vertragsgrundlage unseres Handelns und Tuns genommen haben. Einander als Menschen begegnen. Wie geht das? Was heißt Menschsein? Die Individualität des anderen anerkennen. Wie schnell stößt das an Grenzen? Wollen wir die akzeptieren? Oder wollen wir sie überwinden? Sich selbst er- kennen und entwickeln. Was genau muss ich da tun? Will ich das? Kann ich das? Es ist eine ständige Herausforderung für jeden von uns, die Eigentümlichkeit jedes Menschen anzuerkennen und die individuellen Wesenszüge des anderen wertzuschätzen. Es ist genauso eine Herausforderung, ein Unternehmen so zu gestalten, dass die zusammenarbeitenden Menschen Entwicklungsmöglichkeiten erhalten und ein Unternehmen als Gemeinschaft vorbildlich in seinem Umfeld wirkt.

Egal wie viele oder wie wenige Menschen in Unternehmen zusammen kommen. Dahinter stecken immer wieder Du und Ich. Diesen Dialog auf Augenhöhe jeden Tag aufs Neue zu eröffnen, das muss jeder Mensch lernen und trainieren. Die Möglichkeit, mitzuwirken und teilzuhaben, macht Spaß, erfordert aber auch ein aktives Mitdenken und Mitmachen. Jeder Mitarbeiter trägt ein Stück Verantwortung. Er muss lernen zu fragen, nicht nur wie, sondern auch wozu er arbeitet. Es ist die Gretchenfrage unserer Gesellschaft: Ist der Mensch Mittel oder Zweck? Für mich ist klar: Nichts auf der Welt wird gemacht, ohne dass der Mensch das Ziel ist. Leider ist das eine wenig verbreitete Ansicht in unserer Gesellschaft heute: Egal ob Sie Geschäftsberichte oder Wirtschaftszeitung lesen – immer ist es genau andersherum:

Der Mensch ist Zweck, nie Mittel. Wird das Geld zum Zweck, entsteht menschliches Leid. Deswegen haben wir die ganzen Verwerfungen! Wird dagegen der Mensch zum Zweck, hat das Kapital eine dienende Funktion. Aus solcher Perspektive ist Wirtschaft nicht kalt, sondern menschlich und erwärmend. Es scheint so banal, ist aber offenbar verdammt schwer zu denken. Es gab Zeiten, da war undenkbar, dass die Erde eine Kugel ist. Heute gilt als verrückt, wer meint, er lebe auf einer Scheibe. Wer weiß, wie wir morgen über Geld und Arbeit denken: Ist es wirklich so undenkbar, dass Geld dem Menschen dienen könnte? Dass wir Arbeit tun, weil wir sie tun wollen, nicht weil wir sie tun müssen? Und dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat?

Der Beitrag erschien am 23. Dezember 2014 im Handelsblatt.



Zur Aktualität des BGE

Götz W. Werner
Das gesellschaftliche Bewusstsein folgt dem individuellen
Zur Aktualität der Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens

 

«Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so grösser, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heisst, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden. [...] Worauf es also ankommt, das ist, dass für die Mitmenschen arbeiten und ein gewisses Einkommen erzielen zwei voneinander ganz getrennte Dinge seien.»


Mit diesen Worten formulierte Rudolf Steiner 1906 eine Erkenntnis, die heute eine Faktizität ist. Wir sind alle Fremdversorgte und Fremdversorger. Menschen in den Industrieländern arbeiten nicht mehr für sich, sondern stets für andere und sind selbst auf die Leistungen anderer angewiesen, um leben zu können.

Bitteschön-Dankeschön-Gesellschaft
Weltumfassende Wertschöpfungsprozesse sind zwar eine gesellschaftliche Realität, wir haben sie aber noch nicht mit dem Denken und dem Herzen erfasst. Wir arbeiten zwar miteinander füreinander, aber viel zu oft können wir erleben, dass Menschen denken, der andere sei nicht so schlau und auch nicht so wichtig wie sie selbst. In einer Wertschöpfungskette ist aber jeder Beitrag, jeder einzelne Schritt unverzichtbar. Die Menschen in Europa leiden an zu viel Geringschätzung, an zu viel Misstrauen füreinander. Eine arbeitsteilige Welt fordert von allen Beteiligten: Dass sie sich auf Augenhöhe begegnen. Dass sie ihrem Gegenüber zunächst einmal Zutrauen entgegenbringen. Dass sie den Beitrag ihrer Mitmenschen wertschätzen. Wer konsumiert, müsste stets Dankeschön sagen – und wer produziert stets Bitteschön. Wir brauchen eine Bitteschön-Dankeschön-Gesellschaft.
Das gesellschaftliche Bewusstsein muss sich die Erkenntnis, dass wir alle aufeinander angewiesen sind, noch erarbeiten. Wir stehen noch am Anfang dieser Bewusstseinsentwicklung. Eine Kluft zwischen Faktizität und gesellschaftlichem Bewusstsein führt zu Dissonanzen, die sich im Sozialen abbilden.

Menschenwürde
So steht zwar in der Schweizerischen Bundesverfassung «Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen», oder im Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland «Die Würde des Menschen ist unantastbar», aber wir leben es noch nicht. Würden wir es leben, wären beispielsweise die Hartz-IV-Gesetze in Deutschland nicht möglich. Das zeigt, dass nicht einmal Verfassungsrichter in ihrem Bewusstsein so weit sind, dieses Menschenrecht zu beherzigen.


Solange wir die Würde des Menschen nicht wahrhaft achten, werden weiterhin viele Mütter, Kinder, behinderte Menschen oder Erwerbslose stigmatisiert. Es ist ein gesellschaftlicher Irrsinn, so viele Menschen auszugrenzen. Denn die Erkenntnis Steiners, dass «... je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heisst, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt ...», setzt voraus, dass jeder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Mit Ausgrenzung beschneidet sich eine Gesellschaft ihres Entwicklungspotenzials. Um solche soziale Dissonanzen zu vermeiden, braucht es eine beständige Bewusstseinsleistung. Das Bewusstsein darf sich nicht vorrangig an der Vergangenheit orientieren, sondern braucht eine vorurteilsfreie Wahrnehmung der Realität.


Die Missachtung der Würde von benachteiligten Menschen ist eine Fehlentwicklung, ebenso wie die vorherrschende Selbstversorger-Mentalität. Solange zu viele Menschen meinen, sie würden für sich arbeiten und nicht für ihre Mitmenschen – oder dass sie im Alter von ihren Ersparnissen leben würden und nicht von Gütern und Dienstleistungen, die die junge Generation hervorbringt –, werden wir keine Brüderlichkeit oder Geschwisterlichkeit in unserer Gesellschaft erleben.

Der archimedische Punkt
Die Frage ist: Wie schaffen wir es, die Kluft zwischen dem gesellschaftlichen Bewusstsein und der Realität zu schliessen? Der archimedische Punkt ist die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens. Wer Menschen beobachtet, die mit der Idee zum ersten Mal in Berührung kommen, bemerkt, wie sie die Menschen emotional bewegt – manchmal sogar aufwühlt.


Die Grundeinkommensidee wirft Fragen auf. Menschen beginnen tradierte Denkmuster in Frage zu stellen. Wer die Welt gestalten will, braucht anregende Fragen. Eine Sozietät lebt von Fragen. Sobald Antworten das Miteinander beherrschen, macht sich Routine breit. Mit Routine kann die Zukunft aber nicht gestaltet werden. Dazu braucht es Bewusstsein und dies wird mit Fragen befeuert.
Je mehr Menschen diese Idee zu ihrer ergebnisoffenen Forschungsfrage machen, um so schneller wird sich das gesellschaftliche Bewusstsein daran entwickeln. Das gesellschaftliche Bewusstsein folgt dem individuellen Bewusstsein.

Die kopernikanische Wende
Es braucht die Einsicht, dass jede sinnvolle Tätigkeit für andere Arbeit ist – ungeachtet dessen, ob und wie sie entlohnt wird. Es braucht die Einsicht, dass Einkommen nicht die Bezahlung von Arbeit ist, sondern die Ermöglichung von Arbeit. Eine Zahlung ist ein in die Zukunft gerichteter Auftrag, eine Leistung zu reproduzieren. Und es braucht die Einsicht, dass in einer Konsumgesellschaft jeder Mensch zuerst ein Einkommen benötigt, um leben zu können und um anschliessend seinen Beitrag für die Gemeinschaft erbringen zu können. Das Bedingungslose Grundeinkommen werden wir erst einführen können, wenn wir diesen Bewusstseinswandel vollzogen haben.


Einkommen als Voraussetzung für Aktivität zu erkennen, kommt für das gesellschaftliche Bewusstsein einer kopernikanischen Wende gleich. Zunächst wären die sozialen Zeitfragen dieselben, aber plötzlich gäbe es ganz neue Perspektiven: Ein Bedingungsloses Grundeinkommen, das jedem Menschen ein bescheidenes, aber menschenwürdiges Leben ermöglicht, wäre nicht mehr nur eine Utopie, sondern eine ernst zu nehmende Alternative.


Die Zeit ist reif, dass wir uns klar machen, dass das «Wohl einer Gesamtheit», wie Rudolf Steiner schreibt, einerseits durch Arbeitsteilung gesteigert wird, andererseits aber auch dadurch, dass jeder einzelne seine individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln kann.


Jeder Mensch braucht einen Freiraum, um sich seiner eigenen Intentionen klar zu werden. Er muss sich seiner selbst bewusst werden. Er muss sich Fragen wie «Was will ich im Leben?» oder «Worin besteht meine persönliche Lebensidee?» stellen und beantworten. Solange aber das Verständnis vorherrscht, dass Arbeit bezahlt wird, und dass wer zahlt auch bestimmt, was getan wird, bleibt unsere Gemeinschaft weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Je mehr Menschen den Freiraum erhalten, um ihre eigene Biografie zu gestalten, um Herr ihres eigenen Lebens zu werden, um so eher gelingt es auch der Gemeinschaft, die eigene Zukunft zu gestalten. Also sinnbildlich im Sattel zu sitzen und die Zügel in der Hand zu halten, anstatt wie gegenwärtig am Schweif des Pferdes zu hängen – wie die Finanzkrise uns täglich vor Augen hält.


Wie steht es aktuell um die Idee des Grundeinkommens? Sie wird epidemisch und in gleichem Masse nimmt ihre Zahl an Gegnern zu. Arthur Schopenhauer hat erkannt: «Eine neue Idee wird in der ersten Phase belächelt, in der zweiten Phase bekämpft, in der dritten Phase waren alle immer schon begeistert von ihr.» Die Idee hat die zweite Phase erreicht.

Schweizer Volksinitiative
2006 sprach ich zum ersten Mal auf Einladung des KunstRaumRhein in der Schweiz über die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens. Damals war das Grundeinkommen für Politiker und Entscheidungsträger im Wirtschafts-, Rechts- und Geistesleben keine ernst zu nehmende Alternative. Die wenigen Befürworter eines Grundeinkommens wurden noch belächelt.
Seitdem hat sich viel getan: In der Zwischenzeit gab es ein Pilotprojekt zum Grundeinkommen in Namibia. In Deutschland unterzeichneten 2009 binnen kürzester Zeit mehr als 50.000 Menschen die Petition an den Deutschen Bundestag zur Einführung eines Grundeinkommens. Aktuell beeindruckt die Eidgenössische Volksinitiative für ein Bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz mit ihrem Wirken – Anfang Mai hatten bereits 100.000 Schweizerinnen und Schweizer diese Initiative unterschrieben.
Wie viele Menschenbegegnungen sind für 100.000 Unterschriften nötig? Wahrscheinlich mehr als 500.000. Wenn monatelang in der Schweiz viele Menschen mit der Idee des Grundeinkommens in Berührung kommen, angeregt werden, nachdenken und diskutieren – was das als Kulturimpuls für eine Gemeinschaft ist, können wir noch gar nicht absehen.


Heute kann man beobachten, wie die Idee von immer mehr Menschen bekämpft wird. Ende 2012 ist die Publikation «Irrweg Grundeinkommen» erschienen. Im März 2013 kritisierte der Physiker und Ethnologe Benno Luthiger das Grundeinkommen in der Zeitschrift «Schweizer Monat», und in Deutschland sagte der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT, das Bedingungslose Grundeinkommen sei ein Affront für arbeitende Menschen.


Wer alle Stimmen gegen die Idee des Grundeinkommens zusammenträgt, erkennt wie aktuell die Debatte darüber ist. 2006 hätten sich Befürworter nicht träumen lassen, wie viele Menschen heute die Idee aufgreifen.
Mittlerweile ist eine Europäische Bürgerinitiative zum Bedingungslosen Grundeinkommen gestartet. Diese hat erst 35.000 von einer Million benötigter Unterschriften, aber sie steht auch noch am Anfang. Es bleibt zu hoffen, dass diese Initiative ähnlich erfolgreich wird wie die Schweizer Volksinitiative.

Es gibt noch viel zu tun, damit die Idee des Grundeinkommens die dritte Phase erreicht. Bis dahin sollten wir uns alle die Worte Gottlieb Duttweilers täglich präsent halten: «Das Bewusstsein, dass rings um uns Menschen sind, die ein Recht auf den ‚goldenen Überfluss’ der Welt haben, aber ihren Anteil nicht erhalten, darf uns keine Ruhe lassen. Jeder an seinem Platz muss seinen Teil tun, um das zu ändern.»



 

Know-why


Know-why. Die Wende vom Wie zum Warum entstand in den Jahren 1976-78. Das kam so:

Seine Schulzeit hatte Götz W. Werner nicht in guter Erinnerung. Für seine Kinder wollte er etwas anderes und schickte sie in die Waldorfschule. Das heißt, er gründete eine. Er wurde Mitbegründer der Waldorfschule in Karlsruhe. Dann wollte er auch wissen, was dahinter steht, dieser Rudolf Steiner eben, diese Anthroposophie. Da las er einwenig. Und dann lernte er auf einem Seminar zur Organisationsentwicklung diesen Holländer kennen, der in Indonesien aufgewachsen war, und der dem Herrn Werner anhörte, dass der wohl was mit Anthroposophie zu tun habe. Er selbst nämlich auch, der Hellmuth ten Siethoff vom NPI in Amsterdam, dem Niederländischen Pädagogischen Institut. In dem, was Herr ten Siethoff auf seinem Seminar vorgestellt hatte, erkannte Werner genau die Situation, in der dm sich befand: Differenzierungsphase. Die Pionierphase war vorbei. Werner: «Erfolg heißt Erfolg, weil er Folgen hat. Die Folge ist, dass einen so'n Laden über den Kopf wächst. Dann muss man das durch entsprechende Bewusstseinsbildung wieder ausgleichen, sich weiterentwickeln und den Gap (die Lücke zwischen Bewusstsein und Verhältnissen) wieder verringern. Je kleiner der Gap ist, je größer ist der Mut, wieder was Neues weiter zu machen.»

Ob man mit der Anthroposophie auch etwas im Unternehmen machen könne, wollte Werner von ten Siethoff wissen, und vergaß nie dessen erste Fragensalve: «Ist das Unternehmen für Sie da? Oder sind Sie für das Unternehmen da? Sind die Mitarbeiter für Sie da? Oder sind Sie für die Mitarbeiter da? Ist das Unternehmen für die Kunden da? Oder sind die Kunden für das Unternehmen da?» Die Fragen wiederholte sich Götz Werner jeden Tag. Fast jeden. Oft jedenfalls. Ten Siethof brachte kein neues Modell, kein anthroposophisches- oder ten Siethoff Modell. Sondern? «Fragen, und damit auch die neuen Gesichtspunkte. Es kam ein neuer Blickwinkel und damit auch eine neue Fragestellung», sagt Götz Werner. Und wie war es vorher? «‘Harzburger Modell’», erklärt Werner, das war vom Militär abgeguckt, «ad rem, nicht ad personam, die Sache hat Vorrang, die Person ist untergeordnet, Dienstanweisungen, Stellenbeschreibungen überall, organisieren halt.» Zentralistisch. Genau das ging aber nicht mehr. 'Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser', dieses Prinzip ließ den bürokratischen Wasserkopf überproportional zum übrigen Unternehmen wachsen und die unproduktiven Kosten mit. Um die 150 Filialen waren es jetzt. Werner: «Wie wenn ein Kind wächst und die Klamotten passen nicht mehr. Beine zu kurz, Schultern zu eng.»  Schließlich brachte es eine Werbeagentur auf den Punkt: Warum macht ihr das hier eigentlich? Wozu? Geld verdiente Götz Werner genug. Beweisen musste er sich nicht mehr. Immer mehr, das musste er sich nicht antun. Know-why. Warum verkaufen wir Zahnpasta? Warum wollen wir wachsen? Der Sinn? Warum sind wir ein Drogerie-Markt?

Letztere Frage bekamen die Führungskräfte einmal als Seminaraufgabe vorgelegt. Komplizierte Gedanken entstanden, hohe auch, weit reichten die Erklärungen. Viele Flippcharts voll. «Na», sagte Götz Werner schließlich, «der Grund ist ganz einfach: weil ich nichts anderes gelernt habe.»

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Kein Akademiker


«Ich bin ja kein Akademiker», verkündet Götz W. Werner vor Akademikern, «aber ich bin auch auf eine Universität gegangen, auf die Universität des Lebens. Und die Bemühung auf der Universität des Lebens muss sein, möglichst wenige Schlüsselerlebnisse zu versäumen, und dass man die Schlüsselerlebnisse ernst nimmt. Man geht ihnen nach, prüft sie, es wird einem evident. Dann kann man nicht sagen, April April, ich mache es aber doch anders.»

Es gibt Schlüssel zum Verständnis von Götz W. Werner. Einer ist, dass er wahrnimmt und sich zum Bewusstsein bringt, daraus folgert und macht, wo andere nur wissen und in der Funktion bleiben. Bei Vorträgen zum Grundeinkommen ruft er gerne in den Saal: «Jetzt ziehen Sie mal alles aus, was nicht in diesem Land hergestellt wurde!» Arbeitsteilung, globaler Handel, das wissen wir, sind uns dessen aber nicht bewusst.

Arbeitsteilung zum Beispiel heißt? Zusammenarbeit. Heißt? Das ist ein Prozess, und in einem Prozess ist jeder gleich wichtig. Heißt? Gegenseitige Wertschätzung auf gleicher Augenhöhe. Wertschätzung auf gleicher Augenhöhe heißt, dem anderen zutrauen, was man für sich selbst annimmt, nämlich selbst denken zu können, in dem zu wurzeln, worin man selbst als Mensch auch wurzelt und aus sich heraus, aus eigenem Begreifen handeln zu wollen. Heißt: völlige Transparenz, Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume. Für jeden. Lernen in der Arbeit. LidA heißt das bei dm. Aber nicht, weil das ein schönes Ideal ist. Sondern weil am Vorhandenen das Wesentliche erkannt ist. Und daraus wird gefolgert. Weder idealistisch noch hinterlistig, sondern um die Verhältnisse zu schaffen, in denen es am besten läuft. Da ist eine Portion Selbstlosigkeit im Spiel. Man glaubt es kaum, aber das macht den Unternehmer. Er schafft zielgerichtet Verhältnisse für das Vorankommen anderer. Und damit stellt sich bald die Frage, was er denn unter dem anderen versteht. Menschenbild. Weltbild. Hat der Ehrgeiz sich erst selbst bewiesen und ist der Geldschleier weg, stellt sich die Frage, für wen man eigentlich tätig ist.

Über 1 Million Menschen kommen jeden Tag als Kunde in eine dm Filiale. Allein in Deutschland. Über 36 Tausend Menschen arbeiten bei dm, einschließlich Österreich und Süd-Osteuropa. In Deutschland macht der Konzern 4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

«Herr Werner», spricht die Kassiererin ihn an, als er an der Kasse seinen Einkauf bezahlt, «Herr Werner, ich wollte mich einmal bei Ihnen bedanken, dass ich hier arbeiten darf.»

«Oh», entfährt es ihm, «ich muss mich bei Ihnen bedanken!» – «Wieso denn?» – «Na, wenn sie das hier nicht machen würden, müsste ich mich da hinsetzen.»

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Eigentum


Sieben Kinder hat Herr Werner, drei aus erster Ehe, vier aus zweiter. Und alle sind sie enterbt, schrieben die Zeitungen, als Götz W. Werner seinen Anteil am dm Konzern in eine Stiftung einbrachte. Weg ist das Geld. Dabei war es kein Geld, sondern der Eigentumsanteil an einer Firma. Darüber kann sich Götz Werner aufregen, dass selbst Wirtschaftsjournalisten nicht unterscheiden können zwischen Kapital und Geld. Milliardär wird er genannt und offiziell so gelistet. Doch die Milliarde ist der geschätzte Wert des Konzerns in Geld. Realisiert würde der erst, wenn sich ein Käufer fände. Unternehmen sind aber nicht zum Verkaufen da, sondern sie sind eine Gemeinschaft von Menschen, die miteinander für andere etwas leisten. Ein nahe stehender Berater von Götz W. Werner, der Wirtschaftsprüfer Benediktus Hardorp,  formuliert es drastischer: «Unternehmen verkaufen heißt Menschen verkaufen.» Wer ist dm? Das sind die Kunden, sagt Götz Werner – die haben den Laden groß gemacht – die Mitarbeiter – die bei dm ihre Biografie schreiben – die Zulieferer – die ihre Fähigkeiten einbringen – auch die, die Kredit geben und die, die Ladenfläche vermieten. Die Stakeholder.

«Als Unternehmer ist man immer Schuldner», erklärt Götz W. Werner. Man schuldet den Kunden, das Versprechen, das man ihnen heute gibt, auch morgen einzulösen, dass sie in gewohnter Atmosphäre und Qualität bei dm bekommen, was sie suchen. Man schuldet den Mitarbeitern, dass sie einen Arbeitsplatz haben, an dem sie sich entwickeln können. Den Zulieferern schuldet man die Wertschätzung, und dass man ihre Rechnungen bezahlt, den Banken, dass man ihre Kredite bedient, den Vermietern, dass man die Miete zahlt. Und allen, dass sie einen Sinn darin sehen.

Und was ist mit den Erben? Was ist da zu vererben? Dynastische Verhältnisse wollte Götz W. Werner nicht. Der Name Werner ist keine Eintrittskarte in den dm Konzern. Werners Kinder leben nicht von Eigentumsrechten an einer «»Arbeitsgemeinschaft».

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Der Lodenmantel


«Der Lodenmantel kommt», raunte eine Stimme der Filialleiterin durchs Telefon zu. Eine heimliche Vorwarnung aus der Zentrale, wenn Götz W. Werner im Anmarsch war. Das konnte auch unangenehm werden. Er konnte auch zum Fürchten sein, der Mann im Lodenmantel. So war das früher. Götz W. Werner ist nicht nur der liebe Papa. Aber auch.

«Früher, wenn er die kleinen Kinder auf den Arm nahm, und die konnten noch so wuhuhu sein – sie schliefen gleich ein.», erzählt seine Frau Beatrice. Er habe einen regelrechten Lebenskräfteraum um sich. «Der hat ja auch ein Pensum! Ich käme da nicht mit.» Gestresst wirkt er dabei nie. Und Pausen zum Ausruhen scheint er nicht zu brauchen. Das Geheimnis? «Man muss sich im Tun erholen», sagt Götz Werner. «Also, immer dieses Vertrauen», resümiert Frau Werner, «ein Urvertrauen, das ihm sagt: es stimmt alles, wie es ist und ist richtig, und deshalb finde ich auch immer einen Weg. Wenn irgendwas schwierig ist im Leben, was auf mich zukommt, das habe ich mir ja selbst geschaffen. Insofern ist doch das Sinnvollste, ich nehme es als Aufgabe und entwickle mich darin weiter. Und dann eben immer willensbetont. Und diese kindlich offene Seele. Er ist eigentlich ein Mensch, der immer geistesgegenwärtig ist. Er ist immer in der Gegenwart. Da ist er dann ganz da. Und da steigt er ganz ein. Wenn er zuhause ist, ist er zuhause. Als die Kinder klein waren, war er dann mit den Kindern. Und sofort. Mit den größeren ist er so freilassend, dass sie manchmal denken, er kümmere sich nicht um sie. Aber er trägt sie dann innerlich. Innerlich mittragen tut er das alles. Das habe ich auch immer erlebt, dass er meine Arbeit als Hausfrau und Mutter immer unglaublich wertgeschätzt hat. Und keinerlei Konventionen. Keine Ansprüche. Mein Mann, der ist immer zufrieden. Er nimmt alles an, wie es ist. Deshalb kommt er auch gut damit zurecht. Wenn irgendeine Aufgabe vom Geschäft her ihn bedrückt oder beschäftigt hätte – ich habe das nicht mitgekriegt. Er wusste ja, es gibt eine Lösung, und deshalb war das nicht so ein Problem, dass er mich hätte damit belasten müssen. Es gibt immer eine Lösung. Er sieht dann schon das Positive, was werden wird. Dann wird es auch so.»

Als die Tiroler Loden GmbH – Stichwort: Lodenmantel – ins Trudeln kam, engagierte Herr Werner sich finanziell. Frau Werner erinnert sich: «Und dann ging das den Bach runter. Da war wirklich viel Geld weg. Das hat ihn überhaupt nicht – war ein Lehrstück für ihn, ja.»

Beatrice Werner hat einen großen Anteil daran, dass ihr Mann sich den Künsten zuwandte. Nicht nur, dass er Querflöte lernte, sondern auch, dass es "Abenteuer Kultur" gibt. Alle dm Lernlinge haben im ersten und im zweiten Lehrjahr je eine Woche Theater spielen auf dem Programm. "Singende Kindergärten" ist ihr aktuelles Projekt. Kindergärtnerinnen sollen wieder Freude am Singen haben, um sie den Kindern nicht zu nehmen. Dafür sind Musikpädagogen da. In die Hand nehmen das dm Mitarbeiterinnen vor Ort, singen mit und lassen sich Aktionen mit den Kindern dazu einfallen. Wenn sie wollen. Manche Filialteams wollen nicht. Dann nicht.

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Lernen


«Wir hatten jahrelang in unserem Konferenzraum einen Spruch hängen: ‘Man muss in jedem Moment in der Lage sein, sich zu einem leeren Gefäß zu machen.’ Dass man an die Dinge vorurteilslos herangeht. Das ist, glaube ich, was auch den Unternehmer ausmacht, dass er dadurch zu neuen Möglichkeiten, zu neuen Lösungswegen kommt, weil er sich loslösen kann. Das kann man auch in der Gemeinschaft üben, dass man sagt: Jetzt reden wir mal nicht davon, wie es war, sondern wie es sein könnte. Der Bürokrat versucht, das Gegebene fortzuführen. Der Unternehmer versucht, neu anzufangen.» (Götz W. Werner)

Es ging um eine neue Fototheke. Vor vielen Jahren. Ein Arbeitskreis bildete sich, monatelang arbeitete er schon daran. Werner wurde das zu bunt: «Das kann doch nicht so schwierig sein.» Doch, sagten die im Arbeitskreis, da ist dies und das. «Haben Sie denn mal geguckt, wie Fotoarbeiten wo anders angeboten werden?» Nein, das hatten sie nicht. «Dann nehme ich das in die Hand.» Götz Werner war stets viel unterwegs für Filialbesuche. Wo er war, schaute er nun immer auch in die umliegenden Fotogeschäfte. «Irgendwo ist immer ein Fotogeschäft.» Eine Pocketkamera hatte er dabei, machte Bilder. «Wie macht der die Annahme, die Abgabe, die Unterbringung der Fotoarbeiten usw.?» Zwei Wochen, da war die neue Fototheke fertig. «Sehen Sie, Sie müssen gar nicht darüber nachdenken, Sie müssen nur gucken, wie es die anderen machen!» rief Götz Werner in den Arbeitskreis. «Und dann jeweils das Optimalste komponieren.» In dreißig, vierzig Fotogeschäften hatte er geschaut. «Da habe ich das Problem dekomponiert, und unsere Fototheke aus dem jeweils am günstigsten Erscheinenden wieder rekomponiert. Das ist eigentlich unser Erkenntnisvorgang. Dekomponieren, rekomponieren. Wenn man das sich zu einer Methode macht, dass es nicht nur ein erkenntnisphilosophisches Curriculum ist, sondern wenn man sich das zu einer Lebenshaltung macht, immer erst mal: dekomponieren – rekomponieren, dann wird die Sache kreativ. Wir hatten dann wirklich die kreativste Fototheke, und die Umsätze sind abgefahren wie blöd. Ich weiß noch, wie unser Hauptkonkurrent sagte: «Jetzt habe ich das überhaupt erst begriffen!» Was begriffen? Werner hatte die Abgabe der Filme und das Abholen der Filme voneinander getrennt, an zwei verschiedene Plätze gelegt, weil es zwei verschiedene Vorgänge sind. Wer den Film bringt, füllt erst mal die Bestellung aus. Das dauert. Abholen geht schnell. «So eine banale Idee, das zu trennen! Zu sagen: Die, die bringen, sind da. Und die, die holen, sind dort. Dann können die sich nicht im Weg stehen. Wenn die da mit ihrer großen Einkaufstasche steht und das ausfüllt, dann ist das ein anderer Vorgang, als wenn jemand kommt und sagt: Ah, da ist meine Fototasche, lass mich mal schnell reingucken.»

«Sie haben beobachtet, was faktisch passiert. Sie haben sich die Fototheke nicht ausgedacht.», tastet Philosoph Brotbeck nach.

Götz W. Werner: «Das Problem sind die ausgedachten Sachen. Der Erfolgreichere unterscheidet sich vom weniger Erfolgreichen nicht dadurch, dass er fleißiger ist oder fauler – das kann es vielleicht auch sein – sondern in erster Linie, dass er mehr sieht als der andere.

Und warum sieht er mehr als der andere? Weil er sorgfältiger beobachtet.»

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